„Kommt zu uns“ - Charmeoffensive gegen die Briten
Rumänien schießt zurück. Besser gesagt: Die Internetzeitung „Gandul“. „Die Hälfte unserer Frauen sieht aus wie Kate. Die andere wie ihre Schwester“. Das steht auf blauem Grund neben dem Konterfei der Prinzessin. Darunter der Slogan „Kommt zu uns“.
Mit einer Charmeoffensive reagiert das Bukarester Internetportal auf einen rumänienfeindlichen Feldzug, den die britische Tageszeitung „The Guardian“ kürzlich gestartet hat: Schlechtes Wetter, schlechtes Essen, schlechte Jobs – 29 Millionen Rumänen und Bulgaren sollen davon abgehalten werden, in Großbritannien nach Arbeit zu suchen. „You won‘t like it!“, ist die Botschaft. Die Leser des „Guardian“ beteiligen sich mit Hingabe an der Kampagne.
Viele Briten sind gegen die Öffnung des Arbeitsmarkts
Auslöser ist das Gerücht, die britische Regierung suche ein Konzept, um das Inselreich vor scharenweise eindringenden Rumänen und Bulgaren zu schützen. Denn 2014, also genau in einem Jahr, fallen die letzten Schranken der Freizügigkeit für die beiden neuen EU-Mitglieder. Dann ist der Arbeitsmarkt aller 25 Mitgliedsstaaten für sie offen, auch Großbritanniens. Premier David Cameron befürchtet einen ähnlich hohen Zustrom wie vor zehn Jahren aus Polen und Tschechien. Damals hatte London neben vielen neuen Fachkräften plötzlich auch hunderte Obdachlose mehr.
Viele Rumänen in Großbritannien reagierten empört und enttäuscht auf die „Kommt nicht nach England“-Initiative. „Ich bin in Tränen ausgebrochen“, erzählt Ramona Burlescu. Die 35-Jährige arbeitet als Ärztin in einem städtischen Hospital im schottischen Aberdeen. „Verleumdet werden damit alle: Wir hier und die Rumänen zu Hause.“ Aus Bulgarien gab es sogar höchstoffizielle Reaktionen: Eine solche Kampagne entspreche „weder den Werten noch den Prinzipien der EU“, sagte Außenminister Nikolai Mladenow.
„Ihr habt Bram Stoker, aber Dracula kommt von hier”
In Bukarest dagegen lud am selben Tag die Onlinezeitung „Gandul“ ihre Leser zu einer Gegenkampagne ein: „Uns mag Großbritannien nicht gefallen. Aber ihr werdet Rumänien lieben.“ Mit klugem Witz lädt die Redaktion die Briten nun nach Rumänien ein. „Wir sprechen besseres Englisch als ihr in Frankreich je hören werdet“, prangt auf der Seite. Oder: „Wir haben mehr englische Pubs als rumänische Restaurants.“
Auch an politischen Anspielungen lassen es die „Gandul“-Leser nicht fehlen: „Unsere Zeitungen knacken die Privatsphäre von Prominenten, nicht die Telefone normaler Leute.“ Und wo es humorvoll zugeht, wird auch mit Stereotypen gespielt. Ein Banner auf der Seite verkündet: „Bram Stoker ist einer von Euch. Aber Dracula kommt von hier.“ Und für die, die immer noch nicht verstanden haben, dass man in Rumänien essen, trinken und feiern kann, heißt es: „Bei uns gibt es mehr zu Essen als Pie, Sausage, Fish and Chips.“ Oder: „Ihr habt nur Whiskey. Wir haben Wein, Pflaumenschnaps, Rakia und Cognac.”
Jeder Spruch auf der Internetseite ist eine Einladung, aber hinter jedem steckt auch die Bitte um mehr Respekt. „Gandul“ stellt regelmäßig neue Banner auf die Homepage. Eine Bukarester Werbeagentur unterstützt die Online-Zeitung, die vor einem Jahr ihre Printausgabe eingestellt hat und als erste überregionale Tageszeitung ins Internet gegangen ist. „Wir haben die englischen Motive einfach umgedreht, um uns in ein gutes Licht zu rücken. Da gehört auch viel Selbstironie dazu“, sagt Mihai Gongu, der Leiter des Projekts.
Einladung ins Wohnzimmer
Seit kurzem ist ein weiteres Projekt am Start: Reiselustige Briten können sich per Mausklick in rumänische Wohnzimmer einladen. Dazu haben die findigen Rumänen ein extra Internetportal eingerichtet. Mit „Couch-Surfing für Großbritannien“ können sie es sich bei gastfreundlichen Rumänen kostenlos gemütlich machen. Die Imagewerbung verspricht: „Eine Woche Miete bei euch reicht bei uns für einen Monat. Kneipennächte inklusive“ und „Ein Krug Bier bei uns kostet soviel wie bei euch ein Glas Wasser.“
„Der direkte Kontakt hilft, ein besseres Image von Rumänien aufzubauen. Auf der Couch ist es doch viel lustiger als im sterilen Hotel“, sagt Werbefachmann Mihai Gongu. „Und dazu kostenlos“. Aber ums Geld geht es an letzter Stelle. Wie heißt es auf einem der Banner: „Wir haben die Hälfte eures Bruttoinlandproduktes, aber dreimal so viel Spaß.“ Das haben die Rumänen gerade bewiesen.