Ukraine

Ukrainische Wähler und ihre Meinung

Sergij K. (18),
Informatikstudent aus Odessa


„Ich bin für Juschtschenko. Ich halte ihn zwar nicht unbedingt für den idealen Kandidaten, aber ich will auf keinen Fall in einem Land leben, dessen Präsident illegal an die Macht gekommen ist. In meiner Uni haben vor den Wahlen einzelne Dozenten Druck auf die Studenten ausgeübt, es gab sogar Rausschmisse von Leuten, die offen Juschtschenko unterstützt haben. Diese Einschüchterungsversuche kamen ausschließlich von den Janukowitsch-Leuten, nie von der Opposition. Deshalb werde ich auch im dritten Wahlgang für Juschtschenko stimmen, weil ich mir eine Ukraine wünsche, in der Politik ohne Manipulationen gemacht wird.“

Olga M. (25),
Grundschullehrerin aus Charkow


„Ich bin für Janukowitsch. Er hat als Premierminister sehr gute Sozialpolitik gemacht, hat die Renten und die Mindestlöhne erhöht und die Stipendien für Studenten angehoben. Als Juschtschenko noch Premierminister war, haben viele Menschen im Staatsdienst monatelang ihre Löhne nicht ausgezahlt bekommen, außerdem sind ständig die Heizungen und die Energieversorgung ausgefallen. Ich wünsche mir für die Ukraine vor allem Stabilität und konkrete Verbesserungen für die ärmeren Bevölkerungsschichten, und ich glaube, dass Janukowitsch als Präsident genau diese Ziele verfolgen wird. Juschtschenko hat nur leere Phrasen über Demokratie zu bieten.“

Michail T. (53)
Arzt aus Kiew


„Ich bin für Juschtschenko, weil ich mir eine starke, selbstbestimmte Ukraine wünsche. Eine Ukraine, die stolz auf ihre eigene Kultur, ihre eigene Sprache und ihre eigenen Traditionen ist. Und die sich von niemandem ihre Politik vorschreiben lässt! Seit 13 Jahren gibt es die Sowjetunion nicht mehr, trotzdem haben Kutschma und seine Leute die ganze Zeit so getan, als sei dieses Land immer noch ein Anhängsel Russlands. Das ist der falsche Weg, wir müssen endlich lernen, unsere eigenen Interessen zu vertreten. Juschtschenko hat das verstanden, und deshalb wähle ich ihn.“

Artjom S. (31)
Ingenieur aus Donezk (Ostukraine)


„Ich bin für Janukowitsch, weil ich nicht will, dass mein Land an Amerika verkauft wird. Juschtschenko spielt sich als Demokrat auf, aber in Wirklichkeit vertritt er doch nur die Interessen amerikanischer Konzerne, wo sonst sollte er das Geld für seinen Wahlkampf herhaben? Ich glaube, dass die Ukraine sich eher an Russland orientieren sollte, mit den USA verbindet uns doch kulturell überhaupt nichts! Viele Leute in der Westukraine mögen das anders sehen. Aber das wirtschaftliche Schwergewicht der Ukraine liegt nun mal im Ostteil. Deshalb ist mir ein Politiker wie Janukowitsch lieber, weil er selbst aus dem Osten kommt und unsere Lage realistischer einschätzt.“

Nina P. (67)
Rentnerin aus Lwow (Westukraine)


„Ich bin für Juschtschenko, weil ich es einfach satt habe, von den Machthabern betrogen zu werden. Das war schon früher in der Sowjetunion so, und Kutschma und seine Leute scheinen immer noch zu glauben, sie könnten ewig so weiter machen und dem Volk Lügen auftischen. Damit muss endlich Schluss sein! Janukowitsch ist nichts als eine Marionette Kutschmas, und deshalb darf er einfach nicht Präsident werden. Juschtschenko dagegen hat verstanden, dass es so nicht weiter geht mit der Ukraine. Mir gefallen zwar nicht alle Leute in seinem Lager, aber er ist ein fähiger Politiker und wird die schon in den Griff bekommen.“


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