Gefälschte Fanartikel - ein Riesengeschäft

Die Straßenhändler am Kiewer Boulevard Kreschtschatik haben schon vor dem Anpfiff zur Fußball-Europameisterschaft Grund zum Jubeln. Das Geschäft floriert seit Wochen. Besonders gut verkaufen sich Souvenirs mit dem Blütenlogo der EURO 2012. Handtücher, T-Shirts, Tassen und Mützen gehen weg wie warme Semmeln. An einem Stand in einer U-Bahn-Unterführung liegt ein Stapel Handtücher, darüber baumeln die EM-Maskottchen Slavek und Slavko. Ein Touristenpaar aus Schweden kauft die Plüschfiguren mit den Kulleraugen und den abstehenden Haaren. Doch Slavek und Slavko sind nicht echt.
Gefälschte Souvenirs überschwemmen Polen und die Ukraine. Die Fälschungen werden nicht nur am Straßenrand verkauft, sondern gelangen auch in den normalen Einzelhandel. Die Piratenprodukte unterscheiden sich nur in einem Merkmal vom Original: Das Logo der Fußball-EM ist nicht lizenziert.
Für die Fans ist es schwer zu unterscheiden, ob ein Produkt echt oder gefälscht ist. Oft sind die Duplikate sogar genauso teuer wie die Originale. „In jedem Artikel ist ein hauchdünner Faden eingenäht“, sagt Wladimir Gontscharow, Marketingdirektor bei der ukrainischen Baumarktkette Epicentr. An Kaffetassen sei zusätzlich ein Hologramm angebracht.
Die Firma hat mit der UEFA einen Lizenzvertrag zum Verkauf von etwa 3.000 Artikeln abgeschlossen, neunzig Prozent aller EURO 2012-Souvenirs werden exklusiv von Epicentr verkauft. Das Unternehmen hat sich von der Fußball-EM ein Riesengeschäft versprochen. Nun muss die Firma hilflos mit ansehen, wie gefälschte Produkte den ukrainischen Markt überfluten.
Die Produktpiraterie zerstört eine wichtige Geldquelle der UEFA. „Wir haben mit den Sponsoren Lizenzverträge abgeschlossen“, sagt Potdevin Thibaut, Vertriebsmanager der UEFA in der Ukraine. Nur exklusiv ausgesuchte Firmen haben das Recht, Produkte mit dem UEFA-Logo zu bedrucken. Dafür verdient der Fußballverband mit, wenn die Produkte über den Ladentisch gehen.
Auch der amerikanische Konzern Warner Brothers ist von den Fälschungen betroffen. Warner Brothers hat unter anderem die EM-Maskottchen Slavek und Slavko entworfen. Seit 2004 arbeitet der Medienkonzern mit der UEFA zusammen. „Wir kümmern uns um das Design und helfen bei der Vermarktung der Produkte“, sagt Manager Stéphane Fillastre.
„Wir wissen nicht, wie viele Produktfälschungen auf dem Markt sind“, sagt UEFA-Manager Thibaut. „Der Großteil kommt aus Ländern, die für Produktpiraterie bekannt sind“, fügt er hinzu. Warner Brothers-Manager Fillastre äußert sich deutlicher. Die Markenfälschungen kämen aus China und würden über den Hafen Odessa in die Ukraine gelangen. Die Waren würden ungeprüft durch den Zoll gelangen, weil Beamte Schmiergeld von Zwischenhändlern kassierten.
Auch in Polen sind massenhaft falsche EM-Artikel im Umlauf. Besonders bitter traf es Fans, die über falsche Internetseiten Karten für die Spiele gekauft hatten. Die Tickets waren wertlos. „Man muss sehr vorsichtig sein“, warnt Juliusz Gluski, Pressesprecher der UEFA Euro 2012 „Nur die UEFA verfügt über die Eintrittskarten.“
Die Fahnder stehen den Produktfälschungen oft hilflos gegenüber. Immer wieder melden sich betrogene Fußball-Fans wegen falscher Tickets. Das Geld ist dann meistens schon weg. Darüber hinaus beschlagnahmten Polizei und Zoll rund 54.000 gefälschte Schuhe und Trikots in Polen. Schon Anfang 2011 konfiszierten die Zollbeamten im Hafen von Gdingen 31.000 Sportschuhe, die in einem Container aus China ankamen. „Jetzt konzentrieren wir uns auf Basare und Märkte“, erklärt Iwona Monko von der Zollabteilung des Finanzministeriums. Aber selbst in regulären Spielzeugläden wurden gefälschte Maskottchen beschlagnahmt.