Polen

Nobles Quartier für deutsche Nationalelf

In dem Nobelhotel im Danziger Stadtteil Oliwa werden Bundestrainer Joachim Löw und seine Nationalelf während der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine residieren.

Das Fünf-Sterne-Haus ist wie gemacht für die Nationalelf. Nicht nur, weil es hier mit Sauna und Whirlpool einen riesigen Wellness-Bereich für müde Fußballer gibt. Das weiße Herrenhaus, das mit 130 Euro pro Nacht für deutsche Verhältnisse recht günstig ist, liegt zudem idyllisch im Wald. Auf der Dachterasse schweift der Blick ins Grüne, von der Ostsee weht immer ein leichter Wind herüber. Gleichzeitig ist das Hotel nur 15 Kilometer vom Lech-Walesa-Flughafen und zwanzig Autominuten von der Danziger Altstadt entfernt. „Die Lage ist perfekt“, meint auch Andrzej Szczepanski, der Chef des Pommerschen Fußballverbandes PZPN, der die Hotel-Anlage selbst mit einem UEFA-Team besichtigt hat. „Die Spieler können hier prima entspannen und ausschlafen, und dann mit dem Bus schnell das Übungsstadion Lechia erreichen.“

Bis zum Trainingsplatz ist es für Joachim Löw und seine Nationalmannschaft nur ein Katzensprung: Acht Kilometer trennen das Hotel „Oliwski“ vom Stadion der lokalen Danziger Fußballmanschaft Lechia. Das Stadion haben der Bundestrainer und eine Delegation des Deutschen Fußballbundes selbst unter die Lupe genommen. „Dort wird die DFB-Auswahl während der Fußball-EM trainieren“, bestätigt Verwaltungsmanager Leszek Paszkowski. Er erzählt, dass die  Deutschen in letzter Zeit mehrfach hier gewesen sind, auch Teammanager Oliver Bierhoff und Joachim Löw waren dabei. „Die Deutschen haben das Stadion für gut befunden. Sie interessierten sich besonders für den Zustand des Rasens und nahmen auch den Umkleidebereich in Augenschein“, so der Manager stolz.

Während sich die Fußball-Verantwortlichen schon jetzt auf die Ankunft der Deutschen freuen, sehen die Danziger dem prominenten Besuch eher gelassen entgegen. „Wir haben hier sowieso schon sehr viele deutsche Touristen“, sagt eine Passantin in der Langen Gasse in der bildhübschen Danziger Altstadt. Ein anderer Passant fügt dazu: „Es wird keine Revolution geben. Der Dominikaner Jahrmarkt in der Stadt ist im Sommer ohnehin schon voll, bei der EM 2012 kommen dann eben noch ein paar Fußballfans hinzu.“

Auf die deutschen Fans freuen sich vor allem Kneipen- und Restaurantbesitzer: „Die Deutschen sind ein reiches Volk. Sicherlich profitieren wir davon“, sagt ein Wirt. Auch Hotels und Pensionen hoffen auf eine Welle von Übernachtungsgästen aus dem Nachbarland. Sogar Privatleute wollen Zimmer in ihren Wohnungen vermieten.

Viele Danziger Fans hoffen darauf, dass die polnische und die deutsche Mannschaft in ihrer Stadt aufeinandertreffen werden. Die PGE Arena, die den Namen eines polnischen Energieversorgers trägt, ist soeben fertiggestellt worden. 40.000 Besucher passen in das neue Stadion, das goldgelb wie ein riesiges Stück Bernstein in der Sonne funkelt. Am 9. Juni weiht die die polnische Nationalmannschaft das Stadion mit einem Freundschaftsspiel gegen Frankreich ein. Die Danziger hatten lange um das Stadion gezittert, denn die Bauarbeiten hatten sich wegen der schlechten Wetterbedingungen und des langen Winters verzögert.

Die Danziger Fans spekulieren, ob der deutsche Nationalspieler polnischer Abstammung Piotr Trochowski vielleicht sogar in der polnischen Nationalmannschaft spielen wird. Trochowski stammt aus der Nähe von Danzig. Andrzej Szczepanski vom Pommerschen Fußballverband glaubt nicht daran, denn die Deutschen bezahlen besser.
Katarzyna Tuszynska

ENDE

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