Massengrab mit 1800 deutschen Zivilisten entdeckt
Zivlisten wurden offenbar 1945 in der Nähe der Festung Marienburg nackt begraben
(n-ost) - Ein Massengrab mit 1800 Leichen ist in der Nähe der Marienburg, polnisch Malbork, in Pommern entdeckt worden. Bei Bauarbeiten für ein Vier-Sterne-Hotel unweit des berühmten Schlosses Marienburg in der pommerschen Stadt Malbork (Marienburg), circa 70 Kilometer von Danzig entfernt, wurden die ersten Knochen gefunden. Anfangs sprach man von etwa 70 Toten. Inzwischen wurden Knochen von rund 1800 Personen geborgen.„Die Leichen wurden unbekleidet begraben“, berichtet Andrzej Rychłowski, Bürgermeister von Marienburg. Ohne Gegenstände, die auf ihre Identität hinweisen könnten, waren sie zunächst sehr schwer zu identifizieren. Den neusten Untersuchungen zufolge waren es „zu 99 Prozent Deutsche, die hier vor dem Krieg gelebt haben“, so der Bürgermeister.Warum die Leichen ohne Kleidung begraben wurden, darüber gibt es bisher nur Vermutungen. Eine der Hypothesen lautet, es hätte damals eine Typhusepidemie in Marienburg gegeben. Die Russen könnten Angst gehabt haben, dass sich ansteckendes Material in der Kleidung befindet.„Eins ist sicher – die Leichen stammen aus der Zeit des 2. Weltkriegs“, sagt Bernard Jesionowski, ein Historiker vom Schloss Marienburg. Dessen ist sich auch Waldemar Zduniak, der Bezirksstaatsanwalt in Marienburg, sicher. „Jeden Tag werden weitere Knochen geborgen“, erzählt er. Unter den Toten waren auch Kinder. Die Exhumierung ist mindestens bis Ende Januar geplant.Im Jahre 1945 wurde Marienburg offiziell zur Festung erklärt. Die Zivilisten sollten damals die Stadt verlassen. Viele haben sich dem Befehl widersetzt. Rund 4000 Einwohner von Marienburg sind in der Stadt geblieben. Einige versteckten sich am Stadtrand. Viele von ihnen haben den Krieg überlebt. „Nach ihren Berichten wissen wir, dass sie auf dem Rückweg auf viele Tote gestoßen sind“, sagt Jesionowski. „Die deutsche Seite behauptet, dass im Laufe der Kriegshandlungen rund 5000 Einwohner von Marienburg gefallen sind.“In Polen gibt es 13 spezielle Friedhöfe von Kriegsopfern deutscher Abstammung. Um die Gräber kümmert sich die polnische Stiftung „Erinnerung”. „Die neu entdeckten Leichen werden wahrscheinlich auf dem Friedhof in Stare Czarnowo bei Stettin beigesetzt werden“, sagt Bürgermeister Andrzej Rychłowski. „Die Stiftung möchte die Leichen beerdigen“.Doch die Beerdigungstätte nahe Stettin ist schon jetzt umstritten. Besonders unter einigen Einwohnern der Stadt. „Diese Menschen haben sich im Jahre 1945 entschieden, in der Stadt zu bleiben. Diesen Willen sollten wir berücksichtigen“, sagt der polnische Historiker Jesionowski. Er zählt auf: „Wir haben doch einen Alliiertenfriedhof, einen sowjetischen Friedhof, auch diesen Friedhof könnten wir hier einrichten“.Weil es sich bei den gefundenen Leichen um Kriegsopfer handelt, hat die Stiftung „Erinnerung“ das Recht, über den Beerdigungsort zu entscheiden. Darüber entscheiden werden sicherlich zumal die Internationalen Verträge, die Bestattungen solcher Art regeln. Währenddessen versuchen die polnischen Wissenschaftler das Geheimnis hinter diesem mysteriösen Massengrab zu entschlüsseln.Katarzyna Tuszynska
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