Polen

Sparkurs vor Weihnachten

Auf dem Danziger Weihnachtsmarkt gibt es vor allem kleine Dinge zu kaufen, die die Polen am liebsten verschenken, nicht nur, weil dies günstiger ist

(n-ost) - Irena Sekula steht auf dem Danziger Weihnachtsmarkt und bewundert die Handwerkskunst von Katarzyna Tkaczewska. „Ich bräuchte einen Sponsor“, seufzt die Frau, denn leisten kann sie sich den Weihnachtsschmuck und die Figuren nicht. „Bei meiner niedrigen Rente kann ich das alles nur bewundern“, sagt sie. Um den Stand von Katarzyna Tkaczewska bildet sich stets eine große Menschentraube, bietet sie doch all das an, was in Polen gern zu Weihnachten verschenkt wird: Figuren, Duftkerzen, Strickwaren oder besondere Süßigkeiten.Denn viele Polen verschenken zu Weihnachten oft kleinere und schlichtere Dinge als in Deutschland:Im Schnitt geben Polen für Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr etwa 250 Zloty, also ca. 70 Euro aus. Dies geht aus der Umfrage des polnischen Instituts für Meinungsforschung TNS OBOP hervor. Insgesamt werden die Polen etwa 185 Millionen Euro vor Weihnachten ausgeben.Katarzyna Tkaczewska, eine Frau Mitte 30 mit braungebranntem Gesicht und freundlichem Lächeln, klebt rote Miniaturäpfel und kleine Tannenzapfen auf einen grünen Kranz. An ihrem Stand duftet es nach Zimt, Anis und Kieferzweigen. Bei Katarzyna ist alles pure Handarbeit. Die Danziger Kunden mögen es: Katarzynas Einkaufsstand wurde als der schönste auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkt in Danzig mit einer Urkunde gekrönt.



Der Danziger Weihnachtsmarkt. Foto: Katarzyna Tuszynska


„Vor 20 Jahren gab es nur Salz und Essig in den Regalen“, erinnert sich Irena Sekula. „Jetzt gibt es alles, aber man kann sich nur wenig leisten“. Die Rentnerin, deren Einkommen kaum  für Weihnachtsgeschenke reicht,  ist kein Einzelfall. Nach Angaben des polnischen Meinungsforschungszentrums TNS OBOP werden die Polen in diesem Jahr rund 13 Millionen Euro weniger für Weihnachtsgeschenke ausgeben als 2007.Acht Prozent der Polen geben etwa acht Euro aus, jeder fünfte Pole zwischen acht und 27 Euro. Nur fünf Prozent der Polen investieren für Weihnachtsgeschenke mehr als 130 Euro. Das hat Urszula Krasowska vom Warschauer Institut TNS OBOP erforscht.Der Hit unter den Weihnachtsgeschenken in Danzig sind Hausschuhe in allen möglichen Variationen: mit kleinen Hunden, Bären, Nikolausfiguren. „Sie sind sehr warm und gemütlich“, erklärt Monika Marciniak, die Verkäuferin. Die junge Frau hat ihre blonden Haare zum Zopf gebunden. Vor Weihnachten hat sie alle Hände voll zu tun: Pro Tag verkauft sie 70 bis 80 Paar Schuhe.Gleich nebenan wirbt ein junger Verkäufer für seine, so sagt er, unverwüstlichen Pfannen. Am nächsten Stand werden bunte Duftkerzen verkauft. Dann sind da noch mit Wildtieren bedruckte Handtücher, Schmuck, bunte Pullis und kleine Weihnachtsfiguren der Heiligen Familie. Davon ist jedoch vieles „Made in China“ und damit halbwegs erschwinglich. Klassisches Handwerk wie das von Katarzyna Tkaczewska hat dagegen seinen Preis.Die Nummer 1 auf der Weihnachtswunschliste der Danziger Kunden sind überwiegend keine materiellen Wünsche. Dies bestätigt eine Straßenumfrage auf dem Danziger Kohlenmarkt, wo die weihnachtlichen Buden aufgebaut sind. Daniel Majza möchte zum Beispiel „eines Tages so chinesisch sprechen können, wie ein Chinese“. Dorota Orkusz wiederum wünscht sich viel Geduld und Gesundheit für ihr krankes Kind.



Katarzyna Tkaczewska, ihr Stand wurde zum schönsten auf dem Danziger Weihnachtsmarkt gekürt. Foto: Katarzyna Tuszynska


Die Handwerkerin Katarzyna Tkaczewska hat sich ihren eigenen Wunsch bereits erfüllt. Bis Ende Juli arbeitete sie als Anwältin. Dann hat sie ihren Beruf an den Nagel gehängt, um etwas ganz anderes zu machen. „Zehn Jahre habe ich verloren, für einen Beruf, den ich gar nicht mag“, sagt sie. Schließlich hat ihre Leidenschaft gewonnen.
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