HAFEN-CITY HAMBURG PRÄGT DANZIGS "JUNGE STADT"
Zum Baustart des ehrgeizigen Projekts auf dem alten Werftgelände sind in Danzig alle optimistisch. Außer die Werftarbeiter.(n-ost) – Während an dem einen Werftufer weiterhin Schiffe gebaut werden, befindet sich der gegenüberliegende Teil der ehemaligen Lenin-Werft im Wandel. Mit dem Bau der Nowa-Walowa-Straße bahnt sich die seit Jahrzehnten größte Veränderung im Danziger Stadtkern an. Die Investition wird auf 120 Millionen Zloty, umgerechnet über 30 Millionen Euro, geschätzt. „Die Nowa Walowa ist ein Schlüsselprojekt. Ohne diese Straße kann der ganze Bau nicht angefangen werden“, sagt Marcin Szpak, Stellvertreter des Danziger Bürgermeisters.
Mit Blick auf die alten Werftanlagen – so können die zukünftigen Mieter in der Jungen Stadt Danzig wohnen. Foto: Katarzyna Tuszynska
Vorbild für die „Junge Stadt Danzig“, so der Name des neuen Stadtteils, ist unter anderem die Hafen-City Hamburg. Nach dem Niedergang der Danziger Werft im Jahre 1996 hat die Gdynia-Werft das gesamte Gelände gekauft. Als Tochter der Gdynia-Werft entstand dann im Jahre 1999 die Investitionsgesellschaft „Synergia 99“, die einen Teil der Danziger Werft übernommen hat.Den Großteil des Werftgeländes hat der dänische Konzern Baltic Property Trust (BPT) von Synergia gekauft. Möglich wurde das Projekt durch einen Vertrag zwischen der Stadt Danzig und dem dänischen BPT. „Es wird ein riesiges Stadtzentrum um die ganze Metropole rund um Danzig geben, von der Stadt Wejherowo bis hin nach Tczew“, erklärt der Danziger Bürgermeister, Pawel Adamowicz.Die „Junge Stadt“ in Danzig ist zweifellos das größte Projekt dieser Art in Polen. Es bringt Wohnmöglichkeiten, neue Arbeitsplätze und Freizeitmöglichkeiten. Die polnische Stadt bekommt damit einen neuen Charakter. „Es entsteht ein neuer Stadtteil, der an die mittelalterliche Stadt Danzig, die sich hier befand, erinnern wird“, so Paweł Adamowicz. 60 Prozent der Investitionskosten für die Nowa Wałowa wird Baltic Property Trust tragen. Den Rest trägt die Stadt Danzig.Um das Terrain für die Investition vorzubereiten, wurden seit Monaten alte Werfthallen abgerissen. Hinter dem historischen Tor Nummer Zwei der ehemaligen Lenin-Werft ist heute alles platt. „Das Werftgelände ist keine einfache Baustelle“, erklärt Sławomir Giża, Leiter einer Baustelle am Danziger Werftgelände. „In einer Tiefe von einem Meter kommt schon Wasser. Man muss es abpumpen. Das ist eine mühsame Arbeit.“Die „Junge Stadt“ entsteht auf einer 75 Hektar großen Fläche der Danziger Lenin-Werft. Genau an diesem Ort gründete sich im Jahre 1980 die unabhängige Gewerkschaft „Solidarnosc“, an deren Spitze der spätere Staatspräsident Lech Walesa stand. Dort wurde damals das Danziger Abkommen unterschrieben.In dem damaligen Gebäude der Werftdirektion sitzt heute Tomasz Tromer, polnischer Direktor des dänischen BPT-Konzerns. Er ist überzeugt, dass die Junge Stadt einen frischen Geist nach Danzig bringt, so wie es in anderen europäischen Städten der Fall war. „Anfangs war der Hamburger Hafen auch kein sehr zentraler Platz der Stadt – heute ist er ein integrierter Teil der Hamburger Innenstadt“, so Tromer.
Das Tor der symbolträchtigen Danziger Werft: Über die Zukunft des verbliebenen Werftteils wird derzeit in Brüssel verhandelt. Foto: Katarzyna Tuszynska
Darauf hoffen auch die Danziger Bürger. „Nach 22 Uhr abends ist die Altstadt tot“, beklagt sich der 22-jährige Student Marcin Slowikowski. „Auf der Langen Gasse ist es abends leer. Hoffentlich wird die Junge Stadt etwas für uns jüngere Leute bringen.“ Die Junge Stadt hat bereits ihre ersten Einwohner. Der namhafte polnische Fotograf Michal Szlaga von der Künstlerkolonie ist in das ehemalige Modellhaus der Danziger Werft eingezogen. „Ich beobachte von meinem Fenster, wie die neuen Schiffrumpfe am anderen Werftufer gebaut werden“. Michal Szlaga arbeitet an einer Fotodokumentation über die Danziger Werft. Damit will er die wechselhafte Geschichte dieses Viertels mitten in der Stadt Danzig zeigen.Als eines der ersten Projekte soll das Einkaufszentrum „Die Werft“ in den kommenden Monaten hochgezogen werden. Danach entstehen weitere Büro- und Wohnanlagen. „Während die Weltmärkte vor einer Wirtschaftskrise stehen, ist die Junge Stadt in Danzig eine Ruheoase, ein sicherer Ort für Investitionen“, glaubt BPT-Chef Torben Schøn. Mangel an Investoren auf dem ehemaligen Werftgelände fürchten die Dänen keineswegs.Für viele Werftarbeiter in Danzig dagegen bedeutet die Junge Stadt einen Niedergang. Und in Brüssel laufen weiter die Verhandlungen über die Zukunft des verbliebenen Werftteils sowie anderer polnischer Werften. Hunderte polnische Arbeiter von den Werften aus Danzig, Gdingen und Stettin haben in in den vergangenen Wochen in Brüssel für den Fortbestand ihrer Betriebe demonstriert.ENDENachdruck und Weiterverwertung dieses Artikels sind kostenpflichtig. Informationen im n-ost-Büro unter (030) 259 32 83 - 0