Polen

„Benedikt XVI. ist unser Papst“

Schon jetzt heißt Papst Benedikt XVI. für die meisten polnischen Gläubigen so, wie sie einst Johannes Paul II. nannten: „Unser Papst“. Der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski sagte beim Empfang des Pontifex am Donnerstag, ein deutscher Papst sei ein weiterer Schritt in Richtung deutsch-polnischer Einigung. Kaczynski sprach gar von einer „Vorsehung“. Höhepunkt der Pilgerreise des Papstes in Polen ist der Besuch des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz am Sonntag. Warschau (n-ost) – Julita Burkiewicz ist heute Morgen um halb sechs aufgestanden. Auch wenn sie wenig geschlafen hat, strahlt sie auf dem Weg zur Messe, die an diesem Freitag auf dem zentralen Pilsudski Platz in Warschau stattfindet. „Ich bin so glücklich“, sagt sie. Die Menschenmassen strömen an ihr vorbei. „Die erste Pilgerreise unseres neuen Papstes führt nach Polen. Ich fühle mich deswegen sehr speziell“, sagt die 24-jährige Wirtschaftsstudentin aus Warschau.Schon jetzt heißt Benedikt XVI. für die Polen so, wie sie einst Johannes Paul II. nannten: „Unser Papst“. Dass er Deutscher ist, spielt für die wenigsten eine Rolle. „Er ist das Oberhaupt der Kirche, egal wo er herkommt. Wir lieben ihn sowieso!“ sagt eine ältere Frau, die im strömenden Regen zusammen mit hunderttausend Gläubigen den Beginn der Messe erwartet.Eine Umfrage mit dem Titel „Zwei Päpste, zwei Nationen“ der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza zeigt: Die Mehrheit der befragten Polen und Deutschen sind der Auffassung, dass Benedikt XVI. die Beziehungen zwischen ihren Ländern verbessern werde. Auch der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski sagte beim Empfang des Pontifex in seinem Palast am Donnerstag, ein deutscher Papst sei ein weiterer Schritt in Richtung deutsch-polnischer Einigung. Kaczynski sprach gar von einer „Vorsehung“.Die besondere Rolle des Papstes für die polnische Bevölkerung reicht zurück in die kommunistische Vergangenheit. Als die Wahl im Jahre 1979 auf Karol Wojtyla fiel, schöpften die Polen Hoffnung auf ein Ende der sowjetischen Unterdrückung. Auf dem Pilsudski Platz, wo Benedikt XVI. heute zum ersten Mal zu den Polen sprach, hielt Wojtyla Messen ab, in denen er seinen Landsleuten Mut zum politischen Widerstand machte.Solch ein großes Erbe ist nicht leicht zu schultern. Für Benedikt XVI. hat deshalb die Pilgerreise – folgt man den polnischen Medien, die sich seit Monaten mit diesem Thema befassen -, einen ausgesprochenen Prüfungscharakter. Und doch stellte der ehemalige Kardinal Joseph Ratzinger bereits am ersten Tag seiner Pilgerreise mit überraschend deutlichen Worten klar: „Dies ist nicht nur eine sentimentale Reise, sondern eine Wanderung des Glaubens, eingebettet in eine Mission.“Vor fast eintausend versammelten Priestern forderte er, man dürfe die „Sündigen nicht aus der Kirche werfen.“ Dahinter steht die Sorge der Kirche, ihre Anhänger zu verlieren. Denn das Image des polnischen Klerus gerät zunehmend in Verruf. Die antisemitische Hetze und Hasstiraden des erzkatholischen Senders Radio Maryja tragen erheblich dazu bei. Der neue Papst sah hier schon Handlungsbedarf. Auf Druck des Vatikans entstand ein Programmrat, der den Sender in Zukunft mäßigen soll. Ein deutliches Zeichen, dass bereits auf den Höhepunkt der Pilgerreise des Papstes hinführt: den Besuch des nationalsozialistischen Vernichtungslagers in Auschwitz am Sonntag. Was der deutsche Papst hier sagt, wird nicht nur in Polen mit Spannung erwartet.  *Ende*---------------------------------------------------------------------------
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