„Wir fordern eine ausgewogene Sprachpolitik!“
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Iwan Wakartschuck
„Wir fordern vom Parlament, der neuen Regierung und dem Übergangspräsidenten der Ukraine eine ausgewogene Kultur- und Sprachpolitik.
Die Ukraine hat tragische Tage erlebt. Hunderte Kinder unseres Vaterlands sind gestorben, tausende wurden verletzt. Mit Tränen in den Augen begraben wir die Besten – jene, die Janukowitschs Regime umgebracht haben. Gleichzeitig vernehmen wir mit Sorge Forderungen nach einem Vormarsch im Osten und Süden der Ukraine. Wir rufen die das Parlament zu Ausgewogenheit auf.
Iwan Wakartschuk war bis 2010 Kulturminister unter Timoschenko und ist heute Rektor der Lemberger Universität. Er hat sich immer für eine aktive „Ukrainisierung‟ seines Landes eingesetzt. Gemeinsam mit acht weiteren Lemberger Intellektuellen ruft er hier jedoch zu Zurückhaltung in dieser Frage auf.
Die Aufklärung der Verbrechen des Regimes darf nicht aufgeschoben werden, und alle Anstifter, Anführer und Vollstrecker müssen harte Strafen erfahren. Verbrechen müssen aufgeklärt, Mörder und Banditen müssen zur Verantwortung gezogen werden - Lynchjustiz oder eine Hexenjagd sind dafür kein Ersatz. Das Wichtigste: Die Bestrafung der Mörder muss unumkehrbar sein. Das Land benötigt konsequente und tief gehende Reformen.
Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass im Osten und Süden der Ukraine jahrzehntelang eine Politik der kulturellen Kolonisierung und Ent-Ukrainisierung stattgefunden hat. Einfache Menschen wurden zu ihren Geiseln. Aber wir sprechen uns gegen eine Hetzjagd auf Menschen aus, die nur aufgrund ihres Wohnorts oder ihrer Alltagssprache zu Feinden der Ukraine erklärt werden.
Wir fordern vom Parlament, der neuen Regierung und dem Übergangspräsidenten die Umsetzung einer ausgewogenen Kultur- und Sprachpolitik. Tausende Bewohner des Ostens und des Südens der Ukraine sind desorientiert und verstehen nicht, was geschieht, weil sie nur auf Moskaus Propaganda hören.
Wir haben eine Chance, eine neue, faire und gerechte Ukraine aufzubauen und ihre territoriale Integrität zu bewahren. Doch wir dürfen den Bewohner des Donbass oder der Krim die Lebensart der Galizier nicht aufzwingen. Auf dem Maidan standen Schulter an Schulter mit den Ukrainern Russen, Polen, Weißrussen, Armenier, Juden, Georgier, Tataren und viele andere.
Sie alle verband die aufrichtige Liebe zur Ukraine und der Hass auf die Tyrannei. Und dafür haben sie einen schrecklichen Preis bezahlt - den Preis ihres Blutes.
Wir müssen kulturelle und sprachliche Bedürfnisse der Bewohner des Ostens und des Südens respektieren, sie dürfen sich nicht wie Fremde im eigenen Land fühlen. Wir müssen eine neue Qualität der Ukraine zeigen, einer Ukraine, die ihre Bürger nicht nach unterschiedlichen Sorten aufteilt. Wir dürfen es nicht zulassen, dass politische Randfiguren mit Blut spekulieren und die territoriale Integrität unseres Staates gefährden.“