Ukraine

„Julia Timoschenko darf nicht kandidieren!“

Sergej Leschtschenko
Sergej Leschtschenko

„Wir Ukrainer haben eine einzigartige Chance bekommen, unser Land neu zu starten. Eigentlich kommt so etwas nie vor. Das ist ein Geschenk des Schicksals, erkämpft mit einem Haufen Särge in Kiew.

Nach dem Scheitern der Orangen Revolution hätten wir eigentlich Jahrzehnte unter dem Joch eines wildgewordenen Diktators verbringen müssen.

Um den Preis der Leben unserer Helden bekamen wir eine zweite Chance. Die Chance, in der Politik auf den „Reboot“-Knopf zu drücken. Jetzt sind moralisch tadellose Menschen an der Reihe. Menschen, die „Nein“ sagen können - zu Achmetow, Firtasch, Nowinski, Medwedtschuk oder Ljowotschkin. Menschen, die mit ihnen keine Spielchen hinter den Kulissen treiben.

Ja, Timoschenko saß wiederrechtlich im Gefängnis, ihr Gerichtsverfahren war politisch motiviert. Beweise für ihre persönliche Bereicherung aus Gasgeschäften mit Putin hat man nicht gefunden. Doch bei allem Respekt für Timoschenko, jetzt ist nicht sie an der Reihe, die Ukraine zu führen.

Ich habe Dokumente, die Schmiergeldzahlungen an Janukowitsch beweisen. Man hat sie in Meschigorja gefunden (Residenz von Ex-Präsident Janukowitsch. Anm. d. Red.). Allerdings zahlte sie in dem Fall an Lazarenko (Pawel Lazarenko gilt als Timoschenkos Ziehvater und einer der korruptesten Politiker der Ukraine. Er wurde in den USA 2006 wegen Veruntreuung zu neun Jahren Haft verurteilt. Anm. d. Red.). Und nicht bloß 100 Hrywnia, sondern mindestens 100 Millionen Dollar.

Ich habe ein Video, in dem ein FBI-Agent erklärt, Timoschenko sei Mittäterin von Lazarenko und habe ihm Schmiergelder überwiesen. Ich habe ein Bündel Quittungen über Zahlungen von Timoschenko an Lazarenko, und ich habe Geständnisse von Timoschenkos Geschäftspartnern und von ihren Strohmännern. Diese Beweise wurden nicht etwa von käuflichen ukrainischen Staatsanwälten gesammelt, sondern von amerikanischen Ermittlern. Mit dem Fall hat sich das US-amerikanische Justizministerium und das FBI beschäftigt.

Ich habe noch längst nicht alles aufgezählt. Es gibt Aussagen von Augenzeugen, Frau Timoschenko, Sie hätten eine Reise nach New York abgesagt. Weil Sie Angst hatten, im Fall Lazarenko eine Vorladung zu bekommen.

Anders konnte man in den 1990ern keine Geschäfte machen, und ohne Schmiergelder kann man nicht überleben - fangen Sie bloß nicht damit an! Schmiergelder zahlen, Geschäfte machen - das ist jedem frei überlassen.

Ich will nicht, dass man über den künftigen Präsidenten der Ukraine - eines Landes, das einen Blutzoll bezahlt hat - wie über einen Menschen mit einer korrupten Vergangenheit schreibt. Doch wenn Timoschenko Präsidentin wird, werde ich so schreiben.

Timoschenkos Maidan befindet sich ein paar Hundert Meter vom Maidan entfernt – vor dem Petschorski-Gericht. Dort stehen wie Phantome leere Zelte, drinnen wirbelt der Wind Müll auf.

Erzählt bloß nichts über „gegen-alle“-Protestler. Ich war nie so einer. Der Maidan hingegen hat tausende Anführer geboren, die es nicht schlechter drauf haben als Timoschenko - und sie tragen nicht so einen Rucksack voller negativer Vergangenheit. Soll doch Parubij Präsident werden, oder Jarosch. Oder dieser Typ, der am Tag vor Janukowitschs Flucht auf die Bühne sprang, dem Gangster ein Ultimatum stellte und davonlief. Aber nicht Timoschenko.“

(Quelle: Ukrainskaja Prawda)


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