Kroatien

Kroatisches Tagebuch: Die Türken kommen!

Kroatien ist besessen von den Türken – nicht besetzt, aber wirklich besessen. Türkische Seifenopern locken Männer und Frauen, Jung und Alt in Kroatien vor die Bildschirme. Ich habe zwar keinen Fernseher, aber der Zauber von „1001 Nacht“ „Suleiman dem Prächtigen“ und „Sila“ bleiben mir trotzdem nicht verborgen. Die türkischen Stars grinsen nämlich auch auf Magazinen und geben Pilates-Tipps.


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Auch mein Onkel war enttäuscht, als er bei mir zu Besuch war und um 21.30 Uhr nicht die neueste Folge des türkischen Eroberers Suleiman und seiner Haremsdame Hurem sehen konnte. „Suleiman war vor 500 Jahren in unseren Breiten“ setzte er zu einer Erklärung an, nicht im geringsten peinlich berührt, dass nicht seine Frau (ansonsten ein Fan der lateinamerikanischen Telenovelas), sondern er die langatmigen Intrigen im türkischen Harem verfolgt. Dann erkläre er, wie der Sultan den Balkan eroberte. Dass die Serien-Macher dabei historische Fakten ein wenig durcheinanderbrachten regte den türkischen Präsidenten Erdogan auf, aber nicht die Zuseher. „Die Frauen sind schlimmer als die Männer. Die Männer bringen einander um und die Sache ist erledigt. Aber die Verschwörungen im Harem, uff...“ 50 Minuten Eskapismus pur.


Die Kroaten verstehen die türkischen Wörter

Die Geschichte der türkischen Soaps in Kroatien begann im Jahr 2010. Da umwarb der Istanbuler Bauunternehmer Onur im modernen Märchen „1001 Nacht“ (Binbir Gece) die junge, alleinerziehende Architektin Sheherazade, die schließlich nach gefühlter 1.000 und einer Folge (eigentlich 90) endlich zusammenkommen. Die Darsteller Halit Ergenc und Bergüzar Korel, auch im echten Leben ein Paar, wurden schließlich zu Werbeträgern der kroatischen Handelskette „Konzum“. Türkisch-Sprachkurse boomten kurzfristig, türkische Investoren wurden von den Medien hofiert (investierten aber nichts).

Ergenc erobert in der mittlerweile dritten Staffel als Suleiman die Bildschirme. Gründe, warum die türkischen Serien von Mazedonien über Bosnien bis Kroatien so erfolgreich sind, und ab dem Balkan nicht mehr, gibt es wohl viele. Meinem Onkel gefällt, dass er die türkischen Wörter versteht, die auch in diesem Raum verbreitet sind. Cekic etwa heißt Hammer. Wahrscheinlich kann man die Beliebtheitsgrenze mit jener des ehemaligen Osmanischen Reichs ziehen. Seine Faszination auf die Kroaten wird Suleiman auch mit dem EU-Beitritt und einer neuen Grenzziehung so schnell nicht einbüßen.


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