Feuerwerkskörper und Ikonen gegen Homosexuelle
Bukarest (n-ost) - Bunte Perücken, Regenbogen-Flaggen, Schilder mit „Out and Proud“ und „Keine Diskriminierung“. Man kennt diese Bilder von Christopher-Street-Days und anderen schwul-lesbischen Paraden in aller Welt. Für Rumänien, das zukünftige EU-Mitglied, ist der Anblick eine Sensation: Erstmals in der Geschichte des Landes fand am Wochenende eine Gay-Parade auf einem zentralen Boulevard Bukarests statt. Rund 300 Menschen bewiesen Mut und wagten sich in die rumänische Öffentlichkeit, um gegen Diskriminierung und für ihre Rechte zu demonstrieren.
Ursprünglich hatte das Bürgermeisteramt von Bukarest die Parade untersagt. Erst nachdem sich Staatspräsident Traian Basescu „sehr enttäuscht“ von diesem Verbot zeigte und nachdem auch die Justizministerin Monica Macovei zu Gunsten der Parade interveniert hatte, gab die Stadtverwaltung nach. Die Teilnehmer gedachten insbesondere der Opfer des kommunistischen Strafrechts, die für ihre sexuelle Orientierung eingesperrt wurden und im Gefängnis umgekommen sind. Erst seit vier Jahren wird Homosexualität in Rumänien nicht mehr strafrechtlich verfolgt.
„Lasst sie marschieren, sie sind auch Menschen“, meint eine ältere Frau, die die Parade am Straßenrand beobachtet. Viele Jugendliche, die aus Sympathie oder Neugierde gekommen sind, Prominente und Ausländer begleiten den Konvoi. Polizisten sind auch dabei, um die Demonstrierenden zu schützen. Etwa auf der Hälfte der Strecke, vor einer orthodoxen Kirche, wird dies bitter nötig. Eine nicht genehmigte Gegendemonstration der ultranationalistisch-orthodoxen Organisation „Neue Rechte“ kreuzt den Weg der Parade. Männer, die Ikonen und Anti-Gay-Schilder tragen, schreien „Schande“, „Wir sind kein Schwulenvolk“ und „Jesus ist auferstanden“ und werfen Feuerwerkskörper auf die Vorbeimarschierenden.
Die Polizisten greifen ein. Es gibt Festnahmen. Einigen Provokateuren gelingt es dennoch, zu flüchten.
Nach weniger als einer Stunde geht die Gay-Parade zu Ende. Die Polizei bedankt sich per Lautsprecher bei der Menge und fordert die Menschen auf, nach Hause zu gehen. Vielen Teilnehmern ist da die Anspannung immer noch anzumerken: „Es ist die erste Parade und ich bin glücklich, dass alles gut ausgegangen ist,“ sagt Daniel Zavoian, Projektkoordinator der Nicht-Regierungsorganisation „Accept“, die sich seit 1996 in Rumänien für die Rechte der Homosexuellen einsetzt. Damals wurde die NGO als einfache Menschenrechtsorganisation registriert, weil ein Zusammenschluss von Homosexuellen strafrechtlich verboten war. „Viele Mitglieder der Gay-Community fürchten sich immer noch, öffentlich aufzutreten. Der Anfang ist immer schwer, aber jetzt ist der erste Schritt getan“, sagt Zavoian. Die Angriffe der Ultranationalisten während der Parade und die Proteste der Konservativen, die am selben Tag eine Gegenveranstaltung „für Normalität“ abhielten, nimmt er als „einfache Meinungsäußerungen“ hin. Man wolle nicht die anderen überzeugen, sondern einfach zeigen, dass man auch da ist und Rechte wie alle Menschen habe, so Zavoian. Selbst das ursprüngliche Verbot durch die Stadt hätte sie nicht bremsen können: „Man sagte uns, es fänden zwei wichtige Fußballspiele statt und die Parade müsse deswegen ausfallen. Marschiert wären wir sowieso, wir hatten schon mit privaten Sicherheitsfirmen gesprochen, dass sie uns begleiten“, erzählt der Organisator.
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