Rumänien

Rumänien im Visier der Fundamentalisten

Bukarest (n-ost). Seit nunmehr 29 Tagen sind drei rumänische Journalisten und ihr Übersetzer im Irak verschleppt. Nun spitzt sich nach einem Ultimatum das Entführungsdrama zu: Über den arabischen Sender El Jazeera ließen die Entführer mitteilen, dass Rumänien nur noch vier Tage Zeit habe, um seine 730 Soldaten aus dem Irak abzuziehen, sonst drohe den Entführten der Tod.

Während die rumänische Regierung mit den Entführern verhandelt, gehen im ganzen Land Menschen auf die Straße, um für die Freilassung der Journalisten zu demonstrieren. Auf dem Bukarester Universitätsplatz sind es einige Hundert, darunter auch arabische Frauen und Männer. „Allah ist groß und sieht alles – sie sollen diese Menschen freilassen, weil sie nichts Böses getan haben. Der Islam verbietet, dass man Unschuldige verletzt – und das wissen sie“, sagt eine Frau mit Kopftuch, die der arabischen Gemeinschaft in Bukarest angehört.

Im El Jazeera-Video waren sie noch einmal zu sehen: Marie Jeanne Ion, Sorin Miscoci und Ovidiu Ohanesian – die drei rumänischen Journalisten, die am 28. März in Bagdad entführt worden sind. Deutlich merkte man ihnen die Strapazen der vergangenen vier Wochen an. Marie Jeanne Ion formulierte auch die Forderung der fundamentalistischen Gruppierung, die sich „Schwadronen der Mu´Adh Bin Dschebel“ nennt.

Die Entführer versuchen, die rumänische Bevölkerung zu Proteste gegen ihre eigene Regierung zu bewegen. Dennoch gibt es nur vereinzelte Stimmen für einen Rückzug der rumänischen Truppen aus Irak. Selbst die Familienangehörigen der Entführten vertrauen der Regierung, dass sie die Verhandlungen doch noch erfolgreich beenden und die drei Journalisten unversehrt zurückbringen werde.

Die Medien beklagten in den vergangenen Wochen allerdings einen Mangel an Transparenz und an öffentlichen Informationen angesichts des Verlaufs der Verhandlungen. Staatspräsident Traian Basescu versicherte mehrmals, dass dies kein Zeichen der Ratlosigkeit sei, sondern dass der Krisenstab mit den Entführern verhandele. Die jüngste Videoaufnahme sei von der rumänischen Regierung verlangt worden, um zu sehen, ob die Journalisten noch am Leben sind.

Laut einer Meinungsumfrage, die bis zum 17. April durchgeführt wurde, sind mehr als 60 Prozent der Rumänen mit der Leistung des Präsideten in dieser Krise zufrieden, während sich immerhin 40 Prozent für einen Rückzug der rumänischen Truppen aus dem Irak aussprechen.

In der konservativ-liberalen Koalitionsregierung herrscht inzwischen Uneinigkeit. Eine der kleineren Parteien, die Humanistische Partei (PUR) hat sich am Wochenende für den Rückzug ausgesprochen. Der Parteivorsitzende Dan Voiculescu hat sich zudem medienwirksam selbst anstelle der drei Journalisten als Geisel den Entführern angeboten. „Alles Taktik“, kritisieren dies die anderen Parteien.

Zusätzlich zur Entführungskrise im Irak wurde am Sonntag ein Angriff auf rumänische Truppen in Afghanistan bekannt. Dabei wurde ein rumänischer Soldat getötet, zwei weitere wurden verletzt, nachdem ihr Panzer auf eine Mine gefahren war. Laut Presseagentur AFP stehen die Taliban hinter dieser Tat. Rumänien hat derzeit über 500 Soldaten in Afghanistan, im Rahmen der amerikanischen Mission Enduring Freedom.

Erst im März hatte Präsident Traian Basescu sowohl die Soldaten in Irak als auch die in Afghanistan besucht. Rumänien ist als NATO-Mitglied in beiden Ländern engagiert. Ob dies so bleiben wird, hängt maßgeblich vom Ausgang des Entführungsdramas ab. Sind weitere Opfer zu beklagen, könnte die Stimmung in der Bevölkerung kippen.

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