Russland

MÖRDER VON POLITIKOWSKAJA ERMITTELT

Gestiegene Aktivität der Generalstaatsanwaltschaft / Nowaja Gaseta: „Keine neuen Informationen“ (n-ost) – „Derjenige, der das Verbrechen, den Mord an Politkowskaja begangen hat, wurde ermittelt. Es werden alle Maßnahmen für die Suche und Verhaftung dieser Person ergriffen.“ Das erklärte am Freitag der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft, Wjatscheslaw Smirnow, in Moskau. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, werde der Name des Mörders der Öffentlichkeit allerdings nicht mitgeteilt. Im Oktober 2006 war die international bekannten Journalistin Anna Politkowskaja in Moskau erschossen worden. Es gibt neun Verdächtige, darunter auch den Oberstleutnant des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB Pawel Rjagusow. Der FSB-Mann hatte einer tschetschenischen Bande, die auf Auftragsmorde spezialisiert ist, den Wohnort der Journalistin mitgeteilt. Insgesamt vier Personen, darunter drei Tschetschenen und der FSB-Mann, befinden sich in Haft. Die Ermittlungen in dem Mordfall, der international Aufsehen erregte, sollen noch bis September fortgeführt werden. Im Rahmen eines Haftprüfungstermins vor einem Moskauer Militärgericht wurde gestern die Rechtmäßigkeit der Untersuchungshaft für Pawel Rjagusow bestätigt. Gegen den FSB-Oberstleutnant wird auch wegen eines anderen Kriminalfalls, einer Geiselnahme, ermittelt. Keine Neuigkeit für die Nowaja GasetaDie Redaktion der Nowaja Gaseta, für die Politkowskaja Reportagen über Kriegsgräuel in Tschetschenien geschrieben hatte, erklärte, die Nachricht über den Mörder sei nicht neu. Bereits im Oktober 2007 hatte Petros Garibjan, der Leiter der Ermittlungsgruppe des staatlichen Ermittlungskomitees in einem Interview mit der Zeitung erklärt: „Wir wissen wer er war.“  Vermutlich wollten die russischen Sicherheitsorgane mit ihrer gestrigen Erklärung lediglich Aktivität demonstrieren. Putin war nämlich von westlichen Korrespondenten immer wieder auf die Ermittlungen angesprochen worden, zuletzt anlässlich des Merkel-Besuchs am 8. März in Moskau. Der Kreml-Chef hatte im Beisein der Bundeskanzlerin erklärt, dass die Untersuchungen im Mordfall Politkowskaja „bis zu ihrem logischen Ende, bis zum Gericht geführt“ würden. Er wisse aber nicht, wann das sein werde. „Je eher, desto besser“, sagte Putin.Rätselraten um Mord-MotivAnna Politkowskaja wurde im Herbst 2006 mit Schüssen aus einer Pistole in ihrem Hausflur im Zentrum von Moskau ermordet. Über Hintermänner des Pistolen-Attentats wurde viel spekuliert. Sehr nahe liegend erscheint die These der Nowaja Gaseta, nach der Auftraggeber des Verbrechens in Russland sitzt. Möglicherweise sei Politikowskaja einer kriminellen Gruppe von Tschetschenen in die Quere gekommen. Die Journalistin hatte viel über illegale Geschäfte russischer und tschetschenischer Sicherheitsstrukturen berichtet. Auch hatte sie aufgedeckt, dass der Sicherheitsdienst des von Putin eingesetzten tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow in Fälle von Mord, Folter und Entführung verwickelt ist.Kreml-Kritiker halten es dagegen für möglich, dass der Mordbefehl aus dem Kreml kam. Doch dessen Motiv ist unklar, denn es war abzusehen, dass der Mord an der bekannten Journalistin dem Ansehen Putins erheblich schaden würde. Dass ein FSB-Mann zu den Verdächtigen gehört, spricht eher für die Korruptheit von Teilen des Geheimdienstes als für die Handschrift des Kreml. Völlig an den Haaren herbeigezogen ist unterdessen die These des russischen Generalstaatsanwalts Juri Tschaika. Er behauptet, der nach London geflohene russische Oligarch und Putin-Gegner Boris Beresowski habe den Mord in Auftrag gegeben, um dem russischen Präsidenten zu schaden. Auch dafür gibt es keinen Beweis. ENDENachdruck und Weiterverwertung dieses Artikels sind kostenpflichtig. Informationen im n-ost-Büro unter (030) 30 83 11 87


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