EWIG JUNG MIT OSTERWASSER
Im rumänischen Siebenbürgen hat ein alter heidnischer Osterbrauch überlebt(n-ost) – Während die Kinder in Deutschland zu Ostern auf den Hasen mit dem Eierkörbchen warten, sitzt so manche ungarische Frau in Siebenbürgen zu Hause und wartet auf den Mann ihres Herzens. In der zentralrumänischen Region hat sich unter den Ungarn ein heidnischer Osterbrauch gehalten, der im stärker westlich geprägten Nachbarland Ungarn selbst längst ausgestorben ist.Am Ostermontag, dem so genannten „ins Wasser werfenden Montag“ ziehen die Männer von Haus zu Haus, um ihre Frauen aus Familie und Freundeskreis zu „begießen“. Ursprünglich verwendeten sie dazu ganze Wassereimer und schreckten selbst davor nicht zurück, die Liebste in den Brunnen zu werfen. Heutzutage genügt ein Parfumflakon zur symbolischen Bewässerung mit einem Ergebnis, das jede Nase betäubt. Als Belohnung dafür sind ein rotes Ei oder auch Schnaps oder Geld fällig. Das „Begießen“ der Frauen erinnert ein wenig an den deutschen Nikolaustag, an dem Kinder Gedichte aufsagen oder Lieder singen müssen, um an die begehrte Süßigkeiten zu kommen. Auch die ungarischen Jungen bringen am Ostermontag Reime mit. Zum Beispiel folgenden: „Ich bin ein kleiner Gärtner / Ich gieße Blumen / Ich habe einen Rosenbaum gesehen / Er wollte welken / Darf ich Sie begießen?“ Diese kleinen Gedichte erklären die Absicht der Männer, ihre Frauen durch das Begießen jung und schön zu erhalten. Auch an die Erneuerung des Lebens, die Feier der Fruchtbarkeit, die Auferstehung und das ewige Leben wird gedacht. Doch der heidnische Brauch ist auch eine Synthese mit dem christlichen Glauben eingegangen. Einer Legende nach glauben die Ungarn, dass einige Soldaten die Auferstehung Jesu Christi verheimlichen wollten. Die Frauen, die das wundersame Ereignis beobachtet hatten, wollten Sie mit Wasser zum Schweigen bringen.Heute steht beim Begießen der Frauen am Ostermontag vor allem der Spaßfaktor im Vordergrund. Vielen jungen Männern ist der Tag ein willkommener Anlass, sich auf Kosten anderer mit Freunden zu betrinken. Die Emanzipation brachte es mit sich, dass inzwischen am Osterdienstag auch manche Frau los zieht und kleine Gärtnerin spielt. Denn schließlich brauchen nicht nur Männer junge und schöne Frauen, sondern auch umgekehrt.ENDENachdruck und Weiterverwertung dieses Artikels sind kostenpflichtig. Informationen im n-ost-Büro unter (030) 30 83 11 87