Russland

GASPROM KÜRZT LIEFERUNGEN AN DIE UKRAINE

Der schwelende russisch-ukrainische Gasstreit schaukelt sich hoch, mit möglichen Konsequenzen für Europa(n-ost) - Erst vor einem Monat hatten sich Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko in Moskau auf die Zahlung der ukrainischen Gas-Schulden in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar und den Ausschluss von Zwischenhändlern beim Gasgeschäft zwischen beiden Ländern geeinigt. Doch den Verhandlungen folgten nach russischer Darstellung keine Taten von ukrainischer Seite. Deshalb griff Gasprom zu Beginn dieser Woche zum altbewährten Mittel: Die Gas-Lieferungen an die Ukraine wurden um 25 Prozent reduziert. Für Dienstagabend war eine weitere Lieferreduzierung um 25 Prozent angekündigt.Die Geschäftspartner in Europa und die Europäische Kommission seien rechtzeitig informiert worden, hieß es von Seiten des russischen Gas-Monopolisten. Gasprom begründet seinen Schritt nicht nur mit Zahlungsrückständen der Ukraine, sondern auch mit dem Fehlen eines Liefer-Vertrages für 2008. Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko hatte die Regierung unter Julia Timoschenko  wegen "Nachlässigkeit" bei der Regulierung des Gasstreits mit Russland und einer zu langsamen Rückzahlung der Schulden kritisiert. Timoschenko knüpfte ihre Bereitschaft der Schulden-Rückzahlung an weitere Forderungen. So sollen die Gaslieferungen in die Ukraine rückwirkend ab dem 1. Januar ohne Zwischenhändler abgewickelt werden - eine Forderung, die von Gasprom zurückgewiesen wird. Ein Ausschluss der Zwischenhändler sei erst möglich, wenn alle Schulden für das Jahr 2007 bezahlt seien, heißt es aus Moskau. Die ukrainische Regierung hat außerdem erklärt, sie habe einen Teil der Schulden bereits gezahlt. Für die noch nicht beglichenen Rückstände seien die beiden russisch-ukrainischen Zwischenhändlerfirmen Ukrgazenergo und Rosukrenergo verantwortlich. Die Ausschaltung von Zwischenhändlern im Gasgeschäft ist eine alte Forderung der ukrainischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko. Dabei geht es unter anderem um die in der Schweiz registrierte Firma Rosukrenergo. Sie gehört zur Hälfte Gasprom und zur anderen Hälfte zwei ukrainischen Geschäftsleuten, die beide einen zwielichtigen Ruf haben. Timoschenko beschuldigt Rosukrenergo, hohe ukrainische Beamte zu korrumpieren. Gasprom hatte sich in der Vergangenheit gegen die Ausschaltung von Zwischenhändlern gesträubt. Am Dienstag kündigte der staatliche ukrainische Gas-Konzern Naftogas in einer Presseerklärung an, die Ukraine könne einen störungsfreien Gas-Transit nach Europa nur garantieren, wenn die Energiesicherheit der Ukraine nicht bedroht sei. Gasprom sieht darin eine Ankündigung zum Anzapfen der Transitleitungen nach Europa, wie dies 2006 beim Streit um einen höheren Gaspreis schon einmal geschehen war. Bei Gasprom läuten die Alarmglocken, weil zu Wochenbeginn zwei Prüfern des unabhängigen Unternehmens SGS der Zugang zu den Gas-Zählern in zwei ukrainischen Städten verweigert worden war.Gasprom erklärte, die ukrainischen Schulden seien auf den harten Winter in Zentralasien zurückzuführen. Turkmenistan habe weniger Gas geliefert als geplant. Die Ukraine habe die Lücken mit teurerem russischen Gas aufgefüllt. Drei Viertel seines Gases bezieht die Ukraine aus Zentralasien. Ein Viertel kommt aus Russland. ENDE Nachdruck und Weiterverwertung dieses Artikels sind kostenpflichtig. Informationen im n-ost-Büro unter (030) 30 83 11 87


Weitere Artikel