Russland

Öl- und Schwefelpest vor der Krim

Sturmwarnung kam zu spät
Tankerunglück schädigt Schwarzes Meer auf Jahrzehnte / 20 Seeleute vermisst
"So einen Sturm habe ich seit 20 Jahren nicht erlebt", erklärte der Steuermann des Motor-Schiffes Wolnogorsk im russischen Fernsehkanal NTW. Durch die 40 Kilometer lange Meerenge von Kertsch, welche das russische Festland und die Ukraine trennt, fegte am Sonntag ein Sturm mit Windstärke sechs. Die Wellen waren fünf Meter hoch. Die 35 Besatzungsmitglieder mussten ihr in Seenot geratenes Schiff  verlassen und befinden sich jetzt im Krankenhaus. Die Rettung der Mannschaft grenze "an ein Wunder", erklärte der Steuermann. Drei Tote, 20 vermisste Seeleute, Ölschlamm an der russischen Schwarzmeerküste sowie sechs havarierte und vier untergegangene Schiffe, das ist das Ergebnis des Sturms, wie ihn die Seeleute vor der Krim Jahrzehnte nicht erlebt haben. Die Sturmwarnung kam nach einem Bericht der Moskauer Zeitung "Kommersant" zu spät. Die Kapitäne schafften es nicht mehr ihre Schiffe ins Meer zu dirigieren, wo es bei Sturm bessere Manövriermöglichkeiten gibt. Stattdessen legten sie ihre Schiffe in der Meerenge, wo es keine schützenden Buchten gibt, vor Anker. Anatoli Jantschuk, Leiter des russischen Seenotrettungsdienstes gestand gegenüber dem Fernsehkanal NTW ein, "wir haben es noch nicht gelernt, genaue Wettervorhersagen zu machen." Nach anderen Meldungen haben die Schiffe trotz Sturmwarnung die Meerenge passiert. Die mangelnde Vorsicht sei der Zeitnot geschuldet. Die Besatzungen versuchten Umwege zu vermeiden, da dadurch finanzielle Einbussen entstehen. Russischen Medienberichten zufolge wurden jetzt Strafverfahren gegen Kapitäne wegen Nichtbeachtung der Vorschriften eingeleitet.
Die Meerenge von Kertsch liegt zwischen dem russischen Festland und der Krim, die zur Ukraine gehört. Die Liste der havarierten Schiffe gleich einem Kriegsbericht. Der Tanker Wolgonneft-139 mit 4.000 Tonnen Öl an Bord zerbrach in zwei Teile. 2000 Tonnen Öl liefen bereits aus.  Nach Mitteilung des russischen Katastrophenministeriums gelangten 6.800 Tonnen  Schwefel  ins Meer. Der Schwefel ist nach Aussage russischer Experten ein noch größeres Problem als das Öl. Was sich vor der russischen und ukrainischen Schwarzmeerküste abspielte, ist nach Meinung von Experten das größte derartige Unglück in den letzten 20 Jahren. Die Ausmaße der Katastrophe lassen sich nach Meinung von Umweltschützern noch nicht einschätzen. Nach Meinung des russischen Notstandsministerium braucht man zur Reinigung der Küsten mindestens einen Monat. Am Montagnachmittag kam vor der Küste der Krim erneut ein Sturm auf. Die Rettungsarbeiten mit Hubschraubern und Schiffen mussten unterbrochen werden, die Reinigungsarbeiten an der Küste liefen weiter. Ende


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