Polen

Nun lacht auch Amerika über die Kaczynski-Zwillinge

Polen reagieren zunehmend genervt über die Ausfälle ihres politischen SpitzenpersonalsWarschau (n-ost) - Die Polen sind zunehmend davon genervt, dass ihr politisches Spitzenpersonal sich international immer wieder der Lächerlichkeit preisgibt. Zuletzt schaffte es Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski sogar in die Hauptnachrichten des amerikanischen Senders Fox News. Der staunenden Öffentlichkeit verriet der Zwillingsbruder von Staatspräsident Lech in einem Interview mit einer polnischen Wochenzeitung, er habe noch nie ein Bankkonto besessen und sein Gehalt von rund 4000 Euro monatlich werde auf das Konto seiner Mutter überwiesen. Dazu muss man wissen, dass der bald 58-jährige Jaroslaw Kaczynski, bis heute Junggeselle ist, anders als sein eineiiger Zwillingsbruder."Steckt er das Geld unter die Matratze? Nein, er gibt es seiner Mutter", machten sich die beiden Kommentatorinnen des konservativen Fernsehsenders Fox News über Katzenliebhaber Kaczynski lustig. "Und wie macht es sein Zwillingsbruder...", ging die Überlegung weiter. Die Zuschauer dürften sich prächtig amüsiert haben, doch den Polen ist mittlerweile das Lachen vergangen.Er möchte nicht, dass jemand geheim Geld auf sein Konto einzahlt, um ihm danach Korruption vorzuwerfen, begründete der Ministerpräsident seine Haltung dem staunenden Publikum. 1991 hätte ihm der damalige Finanzminister vorgeschlagen, ein Konto in einer der polnischen Bank zu eröffnen. Selbstverständlich, so sagt Kaczynski, habe er dies abgelehnt. Ein solcher Vorschlag sei ihm zu verdächtig vorgekommen.
 
Polens Bankiers reagierten mit Empörung. Der Ministerpräsident mache den Eindruck, dass das polnische Banksystem nicht glaubwürdig sei, moniert Janusz Jankowiak vom Finanzdienstleister Business Rates. Jankowiak hält dies für einen Bestandteil der politischen Kampagne Kaczynskis, mit der die Wähler gezielt angesprochen werden sollen, die Angst vor Innovationen haben, besonders wenn sie etwas mit dem westlichen Ausland zu tun hätten. Die Banken in Polen seien in fremden Händen und deshalb hochverdächtig, dies klinge zwischen den Zeilen von Kaczynskis Äußerungen an.Einige Finanz- und Steuerbeamte sollen sich nun bereits den Kopf darüber zerbrechen, wie das Geld des Ministerpräsidenten auf dem Konto seiner Mutter versteuert werden soll. Würde man es als Geschenk werten, wäre folgerichtig Schenkungssteuer abzuführen.Nach aktuellen Umfragen wächst in Polen der Verdacht, dass polnische Spitzenpolitiker der rechtskonservativ-klerikalen Regierungskoalition immer mehr zur Lachnummer im Ausland werden. Am peinlichste für Polen fand die Bevölkerung bislang die kürzliche Affäre um die Kindersendung Teletubbies, hat die Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" herausgefunden. Die violette Teletubbie-Figur Tinky-Winky war bei der ultrakatholischen Kinderbeauftragen der polnischen Regierung, Ewa Sowinska, in den Verdacht geraten, schwul zu sein, weil die Figur eine Handtasche unter dem Arm trägt. Sowinska hat ihre Meinung inzwischen geändert und besteht nun nicht mehr darauf, die Sendung aus dem Programm zu entfernen. Die Kontoaffäre des Ministerpräsidenten belegt laut der Umfrage in der Rangliste der größten Peinlichkeiten Platz zwei. Unvergessen ist auch die Kartoffel-Affäre, die auf eine Satire der taz zurückgeht, die Lech Kaczynski vor einem Jahr als "Polens neue Kartoffel" bezeichnete. Lech wurde danach in ganz Europa als "ein Präsident mit Durchfall" bekannt, weil er sich durch die Satire eine Verstimmung zuzog, die seine Teilnahme an einem Treffen des Weimarer Dreiecks unmöglich machte. Die polnische Außenministerin verglich die taz damals mit dem NS-Hetzblatt "Der Stürmer" und die polnische Botschaft reichte eine offizielle Note ein. Auf die neuerliche Lachattacke aus den USA ist bislang keine Reaktion der Zwillinge bekannt.Ende---------------------------------------------------------------------
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