Ungarn

Gesundheitsminister Molnár tritt zurück

Vieles kennt man schon aus Deutschland: Praxisgebühr von 300 Forint (1,20 Euro), höhere Medikamentenzuzahlungen, Bettenabbau. Lajos Molnár von den Liberalen hat die „Drecksarbeit“ gemacht, heißt es in ersten Pressekommentaren, nun tritt er zurück. Zum 6.April gibt er sein Amt ab. Vor der Übernahme des Ministeramtes im Juni vergangenen Jahres leitete Molnár ein Krankenhaus in der ungarischen Hauptstadt. In einer ersten Stellungnahme nach Molnárs Rücktrittsankündigung kündigte Regierungschef Ferenc Gyurcsány von den Sozialisten an, seinen Mitstreiter ziehen zu lassen, der sich „unvergängliche Verdienste“ erworben habe. Die erste Etappe der Gesundheitsreform – so Gyurcsány – sei erfolgreich verlaufen, „trotz der unvermeidbaren Debatten und Konflikte“.  Was Patienten diene und eine qualitativ hohe Gesundheitsversorgung sichere, seien „richtige Schritte“. Der Ministerpräsident – der derzeit ein Umfragetief durchläuft – kündigte an, seine sozialliberale Regierung werde weiter Kurs halten. Der Nachfolger Molnárs soll ebenfalls aus den Reihen der Liberalen kommen. So sieht es der Koalitionsvertrag vor. Bis ein Nachfolger für Molnár gefunden ist, führt Staatssekretärin Ágnes Horváth das Budapester Gesundheitsministerium. Kritik von der Opposition und MedizinernTausende Mediziner und Krankenschwestern sind in den vergangenen Tagen auf die Straße gegangen. Sie protestieren gegen den Kahlschlag im Gesundheitswesen. Laut István Mikola, Ex-Gesundheitsminister und Experte der größten Oppositionspartei, dem rechtskonservativen FIDESZ, wird die Krankenversorgung in gut einem Dutzend Krankenhäusern eingestellt. Drei Hospitäler in der Hauptstadt sollen geschlossen werden. Mehr als 1000 Ärzte und 6000 Krankenschwestern und Pfleger sollen auf die Straße gesetzt werden. Der Plan sieht vor, 16.000 Betten abzubauen. Laut FIDESZ begann unter Molnár „die größte Spitalzerstörung aller Zeiten“. Der FIDESZ-Fraktionsvorsitzende im ungarischen Parlament, Tibor Navracsics, wertete den Molnár-Rücktritt als „Scheitern der Gesundheitspolitik“ der Regierung Gyurcsány. Weitverbreitete KorruptionReformen hin oder her - die weit verbreitete Korruption im ungarischen Gesundheitswesen geht die Regierung nicht an. Bestechung in ungarischen Hospitälern ist üblich – das sogenannte „Hálapénz“ (Dankgeld) „macht gut ein Drittel meines Gehaltes aus “, erklärt ein junger Arzt aus Karcag, der nicht namentlich genannt werden will. Er findet nichts Schlimmes daran, die Hand aufzuhalten. Die Gehälter seien zu niedrig. Eine Argumentation, die die Ärztekammer teilt. Ihre Gleichung: Seien die Gehälter höher, gebe es auch weniger Korruption. Ein Internetpranger (www.halapenz.hu), der korrupte Ärzte öffentlich machte, musste die Adressen- und Namenslisten wieder löschen. Die Regierung fürchtete um den Datenschutz. Ärzte gehen ins AuslandVielen ungarischen Medizinern reichen weder die Gehälter in Ungarn, noch der medizinische Standard. Sie gehen ins Ausland, wo sie ein Vielfaches dessen verdienen, was in ihrer Heimat möglich wäre. 300 magyarische Ärzte praktizierten im Jahr 2006 in Deutschland, hat die Bundesärztekammer ausgerechnet. Die höheren Gehälter versüßen die Reformen im Gesundheitswesen, mit denen sie auch hier konfrontiert sind. *** Ende ***---------------------------------------------------------------------------
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