Russland

Banker-Mord vor Aufklärung?

Angeblicher Auftraggeber eines Banker-Mords gefasstMoskau (n-ost) – In der Nacht auf Donnerstag verhafteten die russischen Sicherheitsbehörden den Moskauer Bankier Aleksej Frenkel. Der 35jährige soll der Auftraggeber des Mordes an dem russischen Zentralbankchef Andrej Koslow sein. Frenkel gehören eine Reihe kleiner Banken, die sich den Ermittlern zufolge auf Geldwäsche spezialisiert hatten und dem Staat einen Schaden von mehreren Milliarden Dollar zufügten. Auch die „VIP-Bank“ gehörte zu ihnen. Genau diesem Finanzinstitut hatte Koslow im Juni letzten Jahres die Lizenz entzogen.Am Freitag wurde eine weitere Verdächtige, Liana Askerowa, verhaftet. Askerowa, die aus der russischen Teilrepublik Dagestan stammt, wurde mittags auf der bekannten Moskauer Einkaufsstraße Arbat im Stadtzentrum verhaftet. Die 39jährige Leiterin der „Vereinigung der PR-Agentur für den Boxsport“ soll nach einem Bericht des Wirtschaftsnachrichtendienstes RBK die Auftragskiller für den Mord an dem Zentralbankchef vermittelt haben. Während Frau Askerowa vor den Fernsehkameras ihr Gesicht verdeckte, scheute Frenkel den Blick in die Kameras nicht, im Gegenteil. Vor Gericht wies der 35 jährige die Vorwürfe gegen seine Person zurück. Er sprach von einer „Provokation“ der Zentralbank. Frenkel erklärte, seine Verhaftung stehe mit einem am Montag beginnenden Gerichtserverfahren in Zusammenhang, bei dem er den Lizenzentzug gegen die „VIP-Bank“ anfechten will. Pawel Medwedjew, ein ehemaliger Lehrer des Verhafteten an der Moskauer Universität MGU, erinnert den Jung-Banker als „sehr ruhigen“ und fast „ängstlichen“ Schüler. Der Lehrer erklärte gegenüber dem russischen Staatskanal RTR, Frenkel habe zwar Grund gehabt, sich durch den Lizenzentzug durch den Zentralbankchef gekränkt zu fühlen, einen Mord-Auftrag traue er ihm aber nicht zu.  Gericht wollte Haftbefehl noch nicht bestätigenNoch am Freitag bestätigte das Moskauer Stadtgericht den Haftbefehl gegen Liana Askerowa, den Haftbefehl gegen den Banker Frenkel jedoch nicht. Über die Haft des Bankiers will das Gericht am Montag beraten. Bis dahin bleibt Frenkel in Haft. Generalstaatsanwalt Juri Tschaika schließt unterdessen nicht aus, dass in nächster Zeit noch weitere Personen, die mit dem Mordfall Koslow zu tun haben, verhaftet werden. Im Mordfall Koslow gibt es bisher acht Verdächtige. Anfang Oktober waren die vermutlichen Auftragskiller verhaftet worden. Es handelte sich um drei vorbestrafte Männer aus der ukrainischen Stadt Lugansk. Nach inoffiziellen Berichten bot ein Unbekannter den Killern   20.000 Dollar an. Sie sollten einen „Banditen“ umbringen, welcher „über gute Menschen herfällt.“ Der Unbekannte übergab den Männern eine Fotografie des Zentralbankchefs, die Adresse der Zentral-Bank sowie die Nummer seines Mercedes.  Mysteriöse Serie von AuftragsmordenDer Zentralbankchef Andrej Koslow war für die Lizenzvergabe an Banken zuständig. Am 13. September letzten Jahres wurde der 41jährige nach einem Fußballspiel mit Kollegen auf einem dunklen Parkplatz des Spartak-Sportkomplexes von zwei Auftragskillern niedergeschossen. Koslow hatte im letzten Jahr über 100 Banken wegen Geldwäsche die Lizenz entzogen. Bereits unmittelbar nach seinem Tod waren Vermutungen laut geworden, die Auftraggeber seien unter den Banken zu suchen, welchen Koslow die Lizenz entzogen hatte. In Russland war seit Jahren kein so hochrangiger Beamter mehr ermordet worden. In  Moskau kursieren seit der Bluttat Gerüchte, in den russischen Finanzkreisen seien neue Verteilungskämpfe ausgebrochen. Vor den nahenden Präsidentschaftswahlen macht sich in der russischen Geschäftswelt eine gewisse Nervosität bemerkbar. Die Vermutungen erhielten auch dadurch Auftrieb, dass nach Koslow noch fünf weitere, weniger bekannte Banker ermordet wurden.
Info-Kasten:
Aleksej Frenkel - Hauptverdächtiger im Mordfall KoslowDer 35 jährige Aleksej Frenkel studierte an der Wirtschaftsfakultät der Moskauer Universität MGU. 1992 arbeitete er ein Jahr in der Abteilung für Fremdwährungen in der „Russki Akzent Bank“.  Danach leitete er drei Jahre lang die Abteilung für Fremdwährungen in der „Öl-Bank“, wo er auch den Posten des stellvertretenden Verwaltungsleiters inne hatte. Von 1995 bis 1998 war Frenkel Leiter der Bank „Diamant“ und danach Leiter der Bank „Elektronika“. Im Jahre 2000 wurde Frenkel Leiter der „VIP-Bank“.
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