Rumänien

“Unsere Vision geht weiter”

Sibiu-Hermannstadt-Nagyszeben in Rumänien erwartet im Kulturhauptstadtjahr mehr als eine Million Besucher aus dem In-und Ausland.Herrmannstadt/Sibiu (n-ost) - Cristian Radu ist Generalkoordinator des Programms Sibiu 2007. Unsere Mitarbeiterin Grit Friedrich sprach mit ihm unmittelbar vor Beginn der Feierlichkeiten.Frage: Herr Radu, Sibiu wird in Zusammenarbeit mit Luxemburg als erste rumänische Stadt 2007 europäische Kulturhauptstadt. Was bieten Sie den ausländischen Touristen? Cristian Radu: Das Programm für die Kulturhauptstadt beschränkt sich nicht auf dieses eine Jahr. Es ist nicht so, dass wir eine möglichst große Zahl von Besuchern anlocken wollen und dann ist alles vorbei. Unsere Vision geht weiter. Wir holen keinen Pavarotti, zahlen eine Million, ziehen mit ihm zwei Millionen Leute an und das war es dann. Wir wollen Sibiu auf die europäische Landkarte zurückholen. Wir haben das touristische Ziel den Leuten eine rekonstruierte Stadt zu zeigen, eine freundliche Stadt mit einer westlichen Mentalität, wo es sehr viele junge Leute gibt. Eine Stadt, in die man sich wünscht, wiederzukehren. Wir wollen auch nach 2007 möglichst viele Touristen anziehen, die in diesem Jahr auf den Geschmack kommen. Für das Kulturhauptstadtjahr erwarten wir 1,5 Millionen Besucher. Momentan kommen etwa 500.000 Touristen im Jahr.
Die Evangelische Kirche von Sibiu. Foto: Grit Friedrich
FRAGE: Welche Besonderheiten der Region Siebenbürgens werden in diesem Programm betont?
 
Cristian Radu: Sibiu ist Erbe und Bewahrer von Jahrhunderten deutscher Kultur und Zivilisation in Siebenbürgen. Im Allgemeinen ist das Problem der Emigration und Multikulturalität eines der zentralen Themen im Programm. Wie hier über Jahrhunderte das Zusammenleben und die Interaktion zwischen der ungarischen, rumänischen und siebenbürgisch–sächsischen Gemeinde funktioniert hat, ist ein Modell für das Europa von heute. FRAGE: Wie wird sich diese Multikulturalität, die ja ein gern benutzter Slogan geworden ist, im Programm widerspiegeln?Cristian Radu: All diese ethnischen Minderheiten werden durch bestimmte Veranstaltungen präsent sein. So gibt es in Zusammenarbeit mit dem ungarischen Kulturministerium eine ungarische Woche unter dem Titel ARS HUNGARICA die traditionelle und zeitgenössische Kultur zeigen wird, aber auch Kulinarisches. Dann laufen sehr viele Programme der deutschen Minderheit in Sibiu, die die jahrhundertealte Geschichte der Deutschen hier reflektieren. Es gibt viele Orgelkonzerte in der evangelischen Stadtpfarrkirche und viele Ausstellungen mit den Werken emigrierter deutscher Künstler. Und auch die Art und Weise wie das deutsch geprägte architektonische Erbe wiederhergestellt wurde, erzählt ja einiges. FRAGE: Sie sprachen von einer nachhaltigen Entwicklung. Was wird bleiben, wenn das Kulturhauptstadtjahr vorbei ist?Cristian Radu: Dieses Jahr wird einen tiefen Einfluss auf die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung von Sibiu haben. Man hat diese außergewöhnliche Architektur nicht rekonstruiert um dann etwas Museales daraus zu machen. Die Plätze der Innenstadt waren in Geschichte und Gegenwart immer auch Bühnen für das internationale Theater- und Jazzfestival. Die Innenstadt könnte zum Aushängeschild werden und Sibiu als eine Stadt mit einem immensen architektonischen Erbe bekannt machen. Sibiu ist in den letzten Jahren eine lebenswerte Stadt für ihre Bürger geworden. Das Zentrum ist schon jetzt trendy mit all seinen Cafes. Außerdem wird die heimische Kunst- und Kulturszene ihre Arbeitsweise durch dieses Jahr ändern. Mehr als 70 Prozent der Projekte im Kulturhauptstadtjahr 2007 sind als europäische Koproduktionen angelegt. Viele dieser Partnerschaften werden bestehen bleiben.  Neue Netzwerke wachsen, das hat langfristige Folgen. Am wenigstens sichtbar wird die Veränderung in der Mentalität der Leute hier sein. Es wird ein neues Gemeinschaftsgefühl entstehen, ein Verständnis für die Geschichte dieser Stadt und ein Stolz auf diese Stadt, die auch europäische Werte verkörpert. FRAGE: Welche Programmpunkte könnten für ein  Publikum aus Berlin, Frankfurt, Leipzig oder Hamburg attraktiv sein?Cristian Radu: Die Scala aus Mailand wird Ende Februar in Sibiu ein Gastspiel geben im Thaliasaal. Die beiden Konzerte werden auch über Leinwände nach draußen übertragen. Der rumänische Regisseur Andrei Serban, der lange nicht in Rumänien inszeniert hat, wird „Die Möwe“ in einer außergewöhnlichen Besetzung am Radu Stanca Theater Sibiu auf die Bühne bringen, mit Maja Morgenstern in einer Hauptrolle. Silviu Purcarete wird den „Faust“ in der Gesamtfassung zum ersten Mal in Rumänien überhaupt inszenieren. Und das nicht in einem Theater sondern in einer riesigen ehemaligen Fabrikhalle. Das steht auch für den Trend des Programms, Kultur an unkonventionellen Orten zu präsentieren. Und es wird eine japanische Spielzeit geben. Man darf nicht vergessen das Rumänien die neue europäische Außengrenze sein wird, aber wir haben immer gesagt,  das hier der Ort ist wo Europa den Rest der Welt trifft. Infokasten:Die offizielle Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres findet am 1. Januar statt. Die französische Group F. hat für Hermannstadt/Sibiu ein Spektakel aus Licht, Musik und einem gigantischen Feuerwerk kreiert. Klassischer klingt es beim Sinfoniekonzert der Philharmonie der Nationen im Thaliasaal. Dieser Saal befindet sich in einem der ältesten Theaterbauten Europas und wurde in den letzten Jahren rekonstruiert. Auch die Museen werden am 1. Januar rund um die Uhr geöffnet sein, allen voran das Brukenthalmuseum, die bedeutendste private Kunstsammlung Rumäniens. Nach Mitternacht gibt es auf dem Großen Ring, dem zentralen Platz in der Altstadt, ein Konzert mit der englischen Band Smokie und der rumänischen Band Phoenix.*** ENDE ***-------------------------------------------------------------
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